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Gesellschaft für die
Prävention und Bekämpfung
von Krankheiten des Magen-
darmtrakts und der Leber

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Der informierte Patient
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Psyche und chronisch entzündliche Darmerkrankungen
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1.2.1 Sind Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auch psychisch krank?
Auch über ein halbes Jahrhundert nach den Erstbeschreibungen der beiden
wichtigsten Typen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dem
Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa, ist die Ursache dieser
Krankheiten noch unklar. In den fünfziger Jahren hatte man insbesondere
bei Patienten mit Colitis ulcerosa den Eindruck, dass diese Patienten
bestimmte psychische Aspekte häufiger zu haben schienen. So zählte die
Colitis ulcerosa in den 50er und 60er Jahren zu den sieben klassischen
psychosomatischen Erkrankungen. Es sollten Patienten mit typischen
Persönlichkeitszügen oder bestimmten Charakteren sein.
Diese Ansichten sind aus wissenschaftlicher Sicht in der Form nicht
begründet. Es kann also nicht angenommen werden, dass Patienten mit
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Vergleich zu anderen
Personen besonders von im folgenden beschriebenen seelischen Konflikten
oder Entwicklungsverhältnissen betroffen sind.
Für den einzelnen mag es jedoch trotzdem ganz interessant sein, einmal
nachzudenken, ob die eine oder andere Aussage auf ihn zutrifft, weil
gerade die aufgeführten Probleme in einer Psychotherapie gut bearbeitet
werden können. Auch wenn der Laie auf den ersten Blick den Eindruck
haben könnte, "da kann man sowieso nichts machen", ist es gerade die
Psychotherapie, die eben in diesen Situationen, die zunächst aussichtlos
festgefahren oder unveränderbar erscheinen, eine Veränderung bewirkt,
die dazu beiträgt, dass sich die Lebensumstände des einzelnen
tatsächlich verbessern.
In diesem Sinne fanden sich also unter den Colitis Patienten gehäuft
- Menschen, die sich eher als andere zurückzogen, evtl. um nicht erleben zu müssen, von anderen abgewiesen zu werden,
oder
- Menschen, die kaum aggressive Gefühle zulassen und zeigen konnten;
auch
- eine starke Abhängigkeit von einer häufig als fordernd und herrschend beschriebenen Mutter
wurde beobachtet.
Eine weitere wichtige Kategorie waren
Wissenschaftlich besser kontrollierte Studien aus neuerer Zeit zeigten
bei den Persönlichkeitsmerkmalen, die während eines Schubes durchaus
verändert sein können:
- Depressivität
- Unterdrückung von Aggressionen
- emotionale Labilität,
keine Auffälligkeiten während eines beschwerdefreien Intervalls und
keine auffälligen Unterschiede zu Patienten mit anderen chronischen
Erkrankungen (zum Beispiel Zuckerkrankheit, Herzkrankheiten,
Bluthochdruck).
Auch Patienten mit einem Morbus Crohn fühlen sich während eines Schubes
eher überfordert als in beschwerdefreien Zeiträumen. Crohn-Patienten
können anscheinend
- Gefühle schlechter ausdrücken als andere chronisch internistisch Kranke,
- neigen mehr zu Kontrollverhalten und Ordentlichkeit,
sind
- abhängiger von Beziehungen
und haben
- eine Tendenz, ihre Symptome und die dadurch erlebten Einschränkungen deutlicher darzustellen.
Colitis ulcerosa-Patienten unterscheiden sich ansonsten aus psychologischer Sicht nicht von der Allgemeinbevölkerung.
Auch Crohn-Patienten haben auf psychologischer Ebene keine
Besonderheiten im Vergleich mit anderen körperlich Kranken. Man kann
aber verschiedene Typen von Crohn-Patienten voneinander abgrenzen. Zwei
Hauptgruppen sind:
- Patienten, die ein die Krankheit verleugnendes, unabhängiges
Verhalten zeigen, aber eigentlich doch sehr abhängig von ihren
relevanten Bezugspersonen sind (pseudounabhängig)
- Patienten, bei denen die vermehrte Abhängigkeit offensichtlich
ist, und die Schwierigkeiten beim Zeigen aggressiver Gefühlsregungen
haben.
Diese beiden letzen Patientengruppen können besonders von einer Psychotherapie profitieren.
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