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Bewältigungsstrategien bei chronischen Erkrankungen  
 
Unter chronischen Krankheiten verstehen wir Erkrankungen, die durch Medikamente, veränderte Verhaltensweisen oder Operationen nicht vollständig zu heilen sind und die für das restliche Leben des Patienten häufig in unvorhersehbarer Weise neue Aufgaben und Beeinträchtigungen bedingen können. Unter Krankheitsbewältigung (Coping) verstehen wir alle Verhaltensweisen (günstige und ungünstige), die Patienten an den Tag legen, um die Belastungen, die im Zusammenhang mit einer Erkrankung stehen, zu ertragen. Über zwei Drittel der Patienten lernen im Laufe der Zeit, ihre Erkrankung zu akzeptieren, entwickeln ein Repertoire von Lösungsmöglichkeiten für die verschiedenen Probleme (körperliche - psychische - soziale) und zeigen dabei Flexibilität.
Hervorzuheben ist dabei, dass Trauer, gedrückte Stimmung und Angst, die zunächst für eine bestimmte Zeit normale und wichtige Gefühle sind, bei akuten Schüben oder einem chronischen Verlauf auftreten können. Fachärztliche Hilfe ist nötig, wenn diese Gefühle länger, z. B. über 14 Tage anhalten, und die Lebensaktivitäten beeinflussen (beispielsweise wenn Unternehmungen mit der Familie nicht mehr geplant oder unternommen werden, bisherige Interessen, etwa Hobbys, nicht mehr verfolgt werden).
Patienten, die das Gefühl haben, dass sie ihr Leben noch in der Hand haben, dass sie das Umfeld in ihrem Sinne positiv beeinflussen und Aktivitäten entwickeln, haben häufiger günstige Bewältigungsformen entwickelt. Hierzu zählen unter anderem:

  • ein optimistisches Grundgefühl ("ich werd's schon wieder packen")
  • sich anvertrauen ("ich weiss, dass ich in guten Händen bin")
  • sich mit anderen vergleichen, und die eigenen Einschränkungen relativieren ("es gibt andere, denen geht es noch schlechter")
  • aktiv Zuwendung suchen, sich aussprechen
  • sich über die Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten informieren, gute Mitarbeit bei Diagnostik und Therapie leisten (schmerzhaftere Prozeduren über sich ergehen zu lassen, wenn sie notwendig sind)
Eine gelungene Bewältigung führt trotz der Erkrankung oft sogar zu einer Verbesserung der familiären Beziehungen. Das vor der Erkrankung gewohnte berufliche und soziale Leben wird - abhängig von den tatsächlichen notwendigen Einschränkungen - im grossen und ganzen aufrechterhalten. Die Patienten zeichnen sich durch ein verantwortliches, aktives, gesundheitsbewusstes Verhalten aus.
Ungünstige Bewältigungsmechanismen sind
  • ein sich passives Ausliefern
  • Schicksalsgläubigkeit
  • Herunterspielen der Krankheit
  • das Unterlassen notwendiger diagnostischer Schritte oder von Behandlungsmassnahmen
  • Rückzugsverhalten im Sozialleben
  • Auflehnung und Wut über längere Zeit
  • Selbstbeschuldigungen
  • Anzetteln von Streitigkeiten in der Familie
  • Verzicht auf sexuelle Aktivität