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Zur Koppelung von psychischen und körperlichen Vorgängen  
 
1.5.1 Neurobiologische und psychosoziale Wechselwirkungen
Depressive Symptome sind häufig verknüpft mit Stoffwechselveränderungen im Gehirn (neurobiologischer Regelkreis). Dies erklärt auch die Wirksamkeit von antidepressiven Medikamenten bei Depressionen.
Ein Modell, das psychosoziale und neurobiologische Einflussfaktoren einbezieht, ist das Kindling-Modell: Belastende Lebensereignisse können neurobiologische Hirnreaktionen auslösen (z. B. die vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol), die, wenn sie einmal begonnen haben, selbständig auch ohne Anlass weiterlaufen und neurobiologische Regelkreise verstärken, die dann für sich wiederum depressive Symptome bedingen.
Ein genetischer Faktor kann zu diesen neurobiologischen Überempfindlichkeiten gegenüber psychosozialen Belastungen beitragen.
Auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften (z. B. vermehrte Langeweile oder vermehrte Ängstlichkeit) können den Beginn einer solchen Wechselwirkung bedingen auch im Zusammenhang mit bereits in der Kindheit erworbenen oder vererbten biologischen Faktoren.
Durch häufige derartige Abläufe werden im Gehirn neurobiologische Vorgänge begünstigt, die schliesslich auch spontan und immer schneller zu anhaltenden depressiven Zuständen führen. Mit diesem Modell können viele Depressionen sowohl soziopsychologisch als auch neurobiologisch begründet werden. Es erklärt, warum manche zunächst durch einen Anlass ausgelöste Depressionen, z. B. im Zusammenhang mit einem Schub einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, ab einem bestimmten Zeitpunkt medikamentös (also auf neurobiologischer Ebene) behandelt werden können.